SCR-Katalysatoren im ADAC-Test: Was kommt dabei raus?

Hardware-Umrüstung für Diesel

SCR-Katalysatoren im ADAC-Test: Was kommt dabei raus?

Fahrverbote drohen oder existieren schon. Viele verabschieden sich von ihren Dieselfahrzeugen. Doch es gibt auch eine andere Möglichkeit: Nachrüsten! Die nötigen EU-Vorgaben sollen durch nachträglich eingebaute Stickoxydkatalysatoren erreicht werden. Das ist der Plan von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Damit will er den vereinbarten Zeitplan einhalten können. 

Doch das System muss dafür auch funktionieren. Der ADAC testet die genannten Hardware-Nachrüstsets. Dafür setzte er seiner Spezialisten ans Steuer eines VW T5, der mit einem Katalysator des Herstellers Oberland-Mangold ausgerüstet worden war, eines Opel Astra mit einem Abgasreiniger von Twintec sowie einen Fiat Ducato, in dem ein Katalysator von HJS seinen Dienst ausübte. Darüber hinaus wurden die Wagen auf dem Prüfstand getestet.

Die Ergebnisse liegen vor und hinterlassen gemischte Gefühle. Die Stickstoffemissionen konnten zwar eindeutig gesenkt werden, doch die Werte erreichen noch lange nicht die Grenzwerte. Zudem verbrauchen die nachgerüsteten Autos teilweise mehr Diesel. 

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SCR-Katalysatoren im ADAC-Test: Was kommt dabei raus?

Es herrscht auch höherer Energiebedarf im Winter. Um die Katalysatoren auf eine Betriebstemperatur von mehr als 200 Grad zu bringen, braucht es Strom. Der Strom wird mit Diesel erzeugt, sodass die Testfahrzeuge mehr Sprit verwenden mussten. Die ADAC-Prüfer sagen: „Während das System von Oberland-Mangold im VW T5 mit einem Mehrverbrauch von 7 Prozent auskommt und nahe am zulässigen Mehrverbrauch liegt, liegen der Wert des Fiat Ducato und des Opel Astra mit 12 bis 13 Prozent deutlich darüber.“

Das Ergebnis: Alle getesteten Modelle fielen durch. Nach offiziellen Vorgaben des Bundesverkehrsministerium dürfen nachgerüstete Fahrzeuge nur 6 Prozent mehr verbrauchen. Experten weisen aber darauf hin, dass wir uns am Anfang der Entwicklung der Katalysatoren befänden. 

Außerdem soll der Mehrverbrauch wohl bei Fahrzeugen, bei denen sich der Stickstoffoxidkatalysatoren näher am Motor installieren lassen, geringer sein, da die Abgase dort schneller aufheizen. 

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SCR-Katalysatoren im ADAC-Test: Was kommt dabei raus?

Weitere Entwicklung an den Katalysatoren schein vielversprechend, da die jetzigen schon bis zu 70 Prozent der Emissionen senken. „Die prinzipielle Leistungsfähigkeit der SCR-Katalysatoren hat auch nach 50.000 km nicht nachgelassen“, so der ADAC. Am besten schnitten dabei Modelle wie der VW T5 ab, die seitens der Hersteller bereits für den Einbau eines SCR-Systems vorgerüstet worden waren. Auch der Fiat Ducato machte keine Schwierigkeiten, während man beim Opel Astra etwas tricksen mussten, um alle Bauteile unterzubringen. Und so kam es bei Letzterem dann auch zu den meisten technischen Störungen.

Die Sensoren registrieren pro gefahrenem Kilometer bis zu 2000 Milligramm Stickoxide, bevor die Abgase in den nachgerüsteten SCR-Katalysator einströmten. Der Grenzwert für Euro-5-Fahrzeuge, gemessen nach offiziellem Verfahren auf dem Prüfstand, liegt bei 180 Milligramm.

Bei Temperaturen von 5 bis 13 Grad Celsius wurde die Abgasreinigung bereits weitgehend von der Software abgeschaltet.  „Die sehr hohen Serienemissionen bekommen dann selbst wirkungsvolle Nachrüstsysteme nicht mehr ausreichend in den Griff, auch wenn die Stickoxide [...] um bis zu 1400 mg/km reduziert werden können“, sagten die Experten des ADAC.

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SCR-Katalysatoren im ADAC-Test: Was kommt dabei raus?

Amtlich sind die Werte aber noch nicht genug um die Richtlinien einzuhalten. Diese lauten maximal 270 Milligramm pro Kilometer und 540 Milligramm bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius. Erst wenn ein nachgerüsteter Diesel diese Werte unterschreitet, kann er die Genehmigung für Städte mit Fahrverboten für Euro-5-Diesel erhalten. 

Der ADAC: „Der Autofahrer muss sich darauf verlassen können, ein zuverlässiges und dauerhaltbares Produkt zu erwerben, das ohne Sorge vor Folgekosten die Mobilität in den kommenden Jahren sichert.“

Auch die Politik wird aufgefordert den Unternehmen entgegenzukommen. Etwa mit finanziellen Mitten, wie die SPD vorschlägt.