Aquaplaning: Das machen selbst viele erfahrene Autofahrer falsch

Wenn das Auto bei Starkregen plötzlich aufschwimmt, reagieren selbst Profis oft falsch. Diese Tipps retten dich im Ernstfall vor dem Kontrollverlust.

Bei den Fehlern solltest du bei Aquaplaning unbedingt aufpassen.
Quelle: IMAGO / Jochen Tack

Dass nasse Fahrbahnen gefährlich sind, lernt jeder in der Fahrschule. Doch in der Realität überschätzen sich besonders Autofahrer*innen mit jahrelanger Fahrpraxis bei Aquaplaning. Man wiegt sich in Sicherheit, weil man moderne Assistenzsysteme an Bord hat oder die Strecke in- und auswendig kennt. Wenn es dann draußen richtig schüttet, bricht plötzlich Panik aus: Das Auto verliert jeglichen Bodenkontakt, die Reifen schwimmen auf und das Lenkrad fühlt sich an wie Wackelpudding. Wer jetzt aus Gewohnheit falsch reagiert, setzt den Wagen unweigerlich in die Leitplanke.

Was ist Aquaplaning überhaupt?
Quelle: IMAGO / CHROMORANGE

Was passiert beim Aquaplaning?

Aquaplaning bedeutet, dass die Reifen die Wassermassen auf der Straße nicht mehr schnell genug nach außen verdrängen können. Das Wasser schiebt sich wie ein Keil unter die Reifen.

Innerhalb eines Sekundenbruchteils verliert der Gummi den direkten Kontakt zum Asphalt. Das Auto schwimmt auf dem Wasserfilm. In diesem Zustand ist das Fahrzeug physikalisch nicht mehr steuerbar: Weder Lenkbewegungen noch Bremsbefehle oder Gasgeben können auf die Straße übertragen werden. Das Auto rutscht einfach stumpf in die Richtung weiter, in die die Fliehkraft es drückt.

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So kannst du die Warnzeichen gut erkennen.
Quelle: IMAGO / Rolf Poss

Die Warnzeichen rechtzeitig erkennen

Aquaplaning kündigt sich meistens kurz vor dem kompletten Kontrollverlust an. Wer aufmerksam fährt, kann die Anzeichen hören und spüren.

Ein typisches Signal ist ein plötzlich lauter werdendes Wasserrauschen. Das passiert, wenn das überschüssige Wasser mit Wucht in die Radkästen und gegen den Unterboden schlägt. Bei starkem Regen ist es deshalb sinnvoll, das Radio leiser zu machen.

Gleichzeitig fühlt sich die Lenkung plötzlich extrem leicht und schwammig an. Bei Autos mit Frontantrieb kann zudem kurz die Motordrehzahl hochschießen, weil die Räder durchdrehen.

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Hektisches Lenken gilt als besonders gefährlich.
Quelle: IMAGO / HEN-FOTO

Der häufigste Fehler: Hektisches Lenken

Wenn das Auto aufschwimmt, neigen viele Autofahrer*innen dazu, panisch gegenzulenken, weil der Wagen nicht mehr exakt in der Spur bleibt. Das ist der gefährlichste Fehler überhaupt.

Solange das Auto auf dem Wasser gleitet, hat das Lenken zwar keine direkte Auswirkung. Das Problem entsteht aber sofort, wenn die Reifen wieder Grip finden. Stehen die Vorderräder in diesem Moment schräg, bricht das Fahrzeug augenblicklich und völlig unkontrollierbar zur Seite aus. Die wichtigste Regel lautet daher: Das Lenkrad absolut gerade und ruhig halten.

Wie solltest du dich verhalten, wenn du in Gefahr bist?
Quelle: IMAGO / Wolfgang Schmidt

Gas wegschalten und richtig bremsen

Sobald das Auto aufschwimmt, muss sofort die Geschwindigkeit verringert werden. Wer ein Auto mit Schaltgetriebe fährt, tritt sofort die Kupplung durch, um den Antrieb von den Rädern zu trennen. Bei einem Automatikwagen lässt man den Gang drin, nimmt aber den Fuß komplett vom Gas, damit keine zu abrupte Motorbremse einsetzt.

Sollte direkt vor dem Auto eine Gefahrensituation entstehen, hilft bei modernen Fahrzeugen nur eine Vollbremsung. Das Antiblockiersystem (ABS) regelt den Bremsdruck auch bei Nässe so gut es geht. Die alte Regel der „Stotterbremse“ (Bremse antippen, loslassen, antippen) ist veraltet und gilt nur noch für Oldtimer ohne ABS.

Allrad, ESP und ABs haben auch Grenzen. Darauf musst du achten.
Quelle: IMAGO / Wirestock

Die Grenzen von Allrad, ESP und ABS

Viele Fahrer*innen von SUVs oder Autos mit Allradantrieb fühlen sich bei Regen absolut sicher. Das ist ein Trugschluss. Elektronische Helfer und Allradantrieb können das Aquaplaning nicht verhindern.

Die Physik setzt an der kleinen Kontaktfläche zwischen Reifen und Straße an. Wenn dort eine Wasserschicht den Kontakt blockiert, kann kein System der Welt Lenk- oder Bremskräfte übertragen. Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) kann erst dann wieder helfen, das Auto zu stabilisieren, wenn die Reifen wieder echten Asphalt berühren. Eine Ausnahme gibt es: Wenn nur ein einzelnes Rad aufschwimmt, kann das ESP die anderen drei Räder gezielt abbremsen, um ein Schleudern zu verhindern.

Die Profiltiefe deines Reifens kann dich vor einem Unfall bewahren.
Quelle: IMAGO / Sven Simon

Die Profiltiefe entscheidet über die Geschwindigkeit

Der gesetzliche Grenzwert für das Reifenprofil liegt in Deutschland bei 1,6 Millimetern. Bei starkem Regen ist das jedoch viel zu wenig, um das Wasser sicher abzuleiten.

Untersuchungen zeigen deutliche Unterschiede: Ein neuer Sommerreifen mit rund 8 Millimetern Profil kann das Wasser bei normalem Regen bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 80 km/h verdrängen. Bei einer Restprofiltiefe von nur noch 3 Millimetern sinkt diese sichere Grenze bereits auf 70 km/h. Wer mit der gesetzlichen Mindesttiefe von 1,6 Millimetern unterwegs ist, verliert oft schon bei 50 km/h den Kontakt zur Straße. Expert*innen raten deshalb, Sommerreifen ab 3 Millimetern zu ersetzen.

Nicht nur die Reifentiefe spielt eine Rolle.
Quelle: IMAGO / dts Nachrichtenagentur

Reifendruck und Stoßdämpfer prüfen

Neben dem Profil spielt auch der richtige Reifendruck eine große Rolle. Sowohl zu viel als auch zu wenig Luft im Reifen verändern die Auflagefläche auf dem Asphalt negativ. Dadurch kann sich der Wasserkeil deutlich schneller unter den Reifen schieben.

Ein oft vergessener Faktor sind die Stoßdämpfer. Wenn die Dämpfer alt oder verschlissen sind, verlieren die Reifen bei Bodenwellen den optimalen Anpressdruck. Bei nasser Fahrbahn führt das dazu, dass die Räder viel früher den Kontakt zum Boden verlieren und das Aquaplaning deutlich eher einsetzt.

Auf der LKW-Spur ist Aquaplaning besonders häufig.
Quelle: IMAGO / EHL Media

Gefahrenzonen auf Fahrbahnen

Aquaplaning kann überall dort entstehen, wo Wasser nicht schnell genug abfließen kann. Es gibt jedoch typische Stellen auf den Straßen, an denen besondere Vorsicht nötig ist.

Dazu gehören tiefe Senken, Unterführungen, scharfe Kurven und vor allem ausgefahrene Spurrillen. Spurrillen bilden sich häufig auf der rechten Spur von Autobahnen durch den schweren LKW-Verkehr. Bei starkem Regen ist es ratsam, leicht versetzt zu diesen Rillen zu fahren. Ein guter Indikator ist auch die Gischt des Vordermanns: Verschwindet dessen Reifenspur sofort wieder im Wasser, steht das Wasser auf der Straße sehr tief.

Bei Motorrädern gibt es ein paar andere Dinge zu beachten.
Quelle: IMAGO / Ottke

Besonderheiten bei Motorrädern

Für Motorradfahrer*innen gelten andere physikalische Voraussetzungen, die Gefahr ist jedoch mindestens genauso hoch. Da Motorradreifen eine runde Kontur haben, schneiden sie das Wasser besser als die breiten, flachen Reifen eines Autos. Das Aquaplaning setzt deshalb meistens erst bei höheren Geschwindigkeiten ein.

Das größte Risiko für Motorradfahrer*innen ist der Beginn des Regens nach einer langen Trockenphase. Der erste Schauer bildet zusammen mit Staub und Reifenabrieb einen extrem rutschigen Schmierfilm, der oft an kleinen Schaumspuren auf der Straße zu erkennen ist. Wenn hier das Vorderrad wegrutscht, führt das im Gegensatz zum Auto fast immer zum sofortigen Sturz.

Was passiert, wenn du durch Aquaplaning einen Unfall baust?
Quelle: IMAGO / YAY Images

Die rechtliche Lage bei Unfällen

Nach einem Aquaplaning-Unfall wird die Schuld oft auf das schlechte Wetter oder den Zustand der Straße geschoben. Rechtlich ist die Situation in Deutschland jedoch eindeutig: Die Verantwortung liegt bei den Fahrer*innen.

Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) muss die Geschwindigkeit immer den Sicht-, Wetter- und Straßenverhältnissen angepasst werden. Wer bei starkem Regen mit hoher Geschwindigkeit in eine Pfütze fährt und die Kontrolle verliert, dem wird von der Polizei „unangepasste Geschwindigkeit“ vorgeworfen. Das kann dazu führen, dass die Kaskoversicherung die Schadensregulierung wegen grober Fahrlässigkeit verweigert.

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