Sonderkennzeichen im Alltag: Diese Regeln überraschen selbst erfahrene Fahrer

Welche Sonderkennzeichen gibt es und wer darf sie nutzen? Alle wichtigen Infos verständlich erklärt. Jetzt informieren und Fehler vermeiden.

Das ist ein gewöhnliches Kennzeichen, wie man es von in Deutschland registrierten Autos kennt.
Quelle: IMAGO / imagebroker

Normalerweise kennen wir Nummernschilder auf in Deutschland zugelassenen Autos so: Weißer Hintergrund, schwarze Buchstaben und Zahlen, EU-Logo auf blauem Grund, Plakette für den Zulassungsort und die Fälligkeit der Hauptuntersuchung. Manchmal sehen wir jedoch Kennzeichen, die anders aussehen und wir fragen uns, was es damit auf sich hat. Hier sind die Antworten zu den zahlreichen Sonderkennzeichen, von roter Schrift bis zu Diplomatenzulassungen.

Das H-Kennzeichen war ursprünglich nur für Oldtimer gedacht.
Quelle: IMAGO / Stephan Görlich

#1 H-Kennzeichen

Das H steht für historische Fahrzeuge. Für dieses Kennzeichen muss das Fahrzeug vor mindestens 30 Jahren erstmals in den Verkehr gekommen sein, sich in einem guten, weitgehend originalen Zustand befinden und ein Oldtimer-Gutachten vorweisen. Technische Mängel dürfen nicht bestehen, und Umbauten müssen zeitgenössisch sein. Sinn des Kennzeichens und der damit einhergehenden geringeren Besteuerung von pauschal 191,73 Euro ist die „Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes“. Dafür gibt es noch weitere Vorteile: Ein Katalysator ist nicht verpflichtend, genauso wie die Feinstaub-Plakette zur Einfahrt in Innenstädte. Seit 2017 kann das H-Kennzeichen auch saisonal vergeben werden.

Beim Saisonkennzeichen ist die Gültigkeitsdauer des Fahrzeug ablesbar.
Quelle: IMAGO / Manfred Segerer

#2 Saisonkennzeichen

Mit dem Saisonkennzeichen, das es in Deutschland seit dem 1. März 1997 gibt, ist es möglich, ein Auto für zwei bis elf Monate anzumelden. So sparen Fahrer an Versicherung, Steuer und Verwaltungsaufwand – schließlich entfällt mit dem Saisonkennzeichen das zusätzliche An- und Abmelden des Fahrzeugs. Das lohnt sich zum Beispiel bei Cabrios oder Wohnwagen.

Grüne Kennzeichen sind für steuerbefreite Kraftfahrzeuge gedacht.
Quelle: IMAGO / Heike Schreiber-Braun

#3 Grünes Kennzeichen

Auch dieses Kennzeichen ist dir vielleicht ab und an schon begegnet: Es kennzeichnet steuerbefreite Kraftfahrzeuge, also aus dem forst- und landwirtschaftlichen Bereich. Aber auch Fahrzeuge von gemeinnützigen oder Hilfsorganisationen, Schaustellerfahrzeuge und selbstfahrende Arbeitsmaschinen tragen das grüne Nummernschild. Sie dürfen mit diesem Kennzeichen nur für den steuerbefreiten Zweck verwendet werden.

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#4 Wechselkennzeichen

Das seit 2012 existierende Wechselkennzeichen kann dann vergeben werden, wenn zwei Fahrzeuge der gleichen Klasse auf ein Kennzeichen zugelassen werden. Dann ist immer nur das Auto für den Verkehr zugelassen, das das entsprechende Kennzeichen gerade trägt. Es gibt ein festes Kennzeichen für jedes Fahrzeug und eines, das je nach Benutzung gewechselt wird. Das aktuell ungenutzte Fahrzeug darf dabei nicht im öffentlichen Raum stehen. Der Vorteil des Ganzen ist, dass man Verwaltungsgebühren sparen kann. Bei Steuer und Versicherung ändert sich allerdings nichts, die muss man so oder so für beide Fahrzeuge berappen. Die Wechselkennzeichen erkennt man an dem zusätzlichen W und dem separaten Wechselteil, auf dem die HU-Plakette und das letzte Zeichen der Zulassungsnummer angebracht sind.

Das Kurzzeitkennzeichen ist maximal für fünf Tage zu gebrauchen.
Quelle: IMAGO / Manfred Segerer

#5 Kurzzeitkennzeichen

Der Name sagt es schon: Das gelbe Kurzzeitkennzeichen punktet nicht unbedingt mit Langlebigkeit. Es erlaubt, das Fahrzeug für maximal fünf Tage im Verkehr zu bewegen und ist damit insbesondere für Fahrzeugüberführungen, Prüfungs- und Probefahrten sinnvoll. Es kostet in der Regel ca. 13 Euro Verwaltungsgebühr, plus Kosten für die Schilder und Versicherung. Die Fahrzeuge müssen grundsätzlich verkehrssicher sein. Fahrten ohne gültige HU sind nur zur nächstgelegenen Werkstatt im eigenen oder angrenzenden Bezirk erlaubt. Die Nummerierung beginnt bei den Kurzzeitkennzeichen mit 03 oder 04.

Das Ausfuhrkennzeichen mit dem roten Rand sieht man selten.
Quelle: IMAGO / teutopress

#6 Ausfuhrkennzeichen

Hast du auch schon mal ein Kennzeichen mit einem roten Rand entdecken können? Es wird tatsächlich nur an Autos verliehen, die nicht zugelassen sind und dauerhaft ins Ausland gebracht werden sollen, weswegen es damit nicht so häufig anzutreffen ist. Mit einer maximalen Gültigkeitsdauer von zwölf Monaten zählt das Ausfuhrkennzeichen zu den weniger langlebigen in unserer Liste. Die Zahlen geben untereinander das Ablaufdatum des Kennzeichens mit Tag, Monat und Jahr an.

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#7 Rotes Kennzeichen

Es gibt verschiedene Arten von roten Kennzeichen mit unterschiedlichen Anwendungsfällen:

Rote Kennzeichen, deren Zahlenfolge mit den Ziffern 06 beginnt, werden häufig auch „Händlerkennzeichen“ genannt. Diese werden in der Regel an Autohäuser und Werkstätten vergeben und haben meist eine Befristung von einem Jahr. Sie dienen für Probefahrten, Überführungen oder Tests nach Reparaturen.

Rote Nummernschilder mit 07 sind wiederum als Kurzzeitzulassungen für Oldtimer gedacht. Damit können die historischen Fahrzeuge zum Beispiel an Oldtimertreffen teilnehmen und sind von der regelmäßigen Hauptuntersuchungspflicht ausgenommen.

Auch rote Kennzeichen mit 05 sind anzutreffen. Sie werden von Sachverständigen wie technischen Prüfstellen und anerkannte Überwachungsorganisationen für Prüfungsfahrten genutzt.

Auch mit dem roten Kennzeichen sind einige Gebühren verbunden.
Quelle: IMAGO / Frank Sorge
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Was kostet das rote Kennzeichen?

Die Kosten für das rote Kennzeichen sind je nach Versicherung unterschiedlich. Die Gebühren für das Kennzeichen richten sich dann nach Verwaltungsaufwand, der zwischen 25 und 200 Euro kosten kann. Pauschal beträgt die Kfz-Steuer etwa 191 Euro im Jahr. Dieser Betrag kommt zu dem Versicherungsbeitrag hinzu.

Das Kennzeichen für Elektro-Autos kommt mit zahlreichen Vorteilen.
Quelle: IMAGO / JOKER

#8 E-Kennzeichen

Das E-Kennzeichen wird nur an Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos mit mindestens 50 Kilometern rein elektrischer Reichweite vergeben. Das E-Kennzeichen ist nicht verpflichtend, bietet aber einige Vorteile, die sich aber regional unterscheiden können. So dürfen Fahrzeuge mit dem E-Kennzeichen etwa mancherorts kostenfrei parken oder Bus- und Taxispuren nutzen. Die Regelungen werden von den entsprechenden Kommunen festgelegt. Das kann durchaus auch zum Nachteil werden, denn der Flickenteppich an Regelungen macht die Nutzung des E-Autos evtl. unübersichtlich.

Das alte DIN-Kennzeichen ist heutzutage selten geworden.
Quelle: IMAGO / Pressefoto Baumann

#9 DIN-Kennzeichen

Die geläufigen Euro-Kennzeichen gibt es seit 1994, seit 2000 werden sie alleinig ausgegeben. Bis dahin gab es die DIN-Kennzeichen, die man auch heute noch hin und wieder erspähen kann. Gültig sind sie nach wie vor und sie deuten in der Regel auf ältere Fahrzeuge hin, die schon lange ihren Dienst tun – und die Zeit der Abwrackprämie 2009 überlebt haben.

Auch das Diplomatenkennzeichen ist etwas besonderes.
Quelle: IMAGO / photothek

#10 Diplomatenkennzeichen

Ein weiteres besonderes Kennzeichen ist das Nummernschild für Diplomaten, also Beamte einer ausländischen Regierung. Sie besitzen nicht nur politische Immunität, sondern ihre Fahrzeuge zieren auch eigene Kennzeichen. Meistens erkennt man sie an der Ziffer 0 an erster Stelle, gefolgt von einem Ländercode, an dem man die Herkunft des Würdenträgers erkennen kann. Allerdings kann statt der 0 auch das normale Kürzel des Zulassungsbezirks zu sehen sein. Außerdem haben die PKW der Diplomaten auch einen Aufkleber mit dem Kürzel DC oder CD (für Diplomatisches Korps). Auch Organisationen wie die Europäische Zentralbank können ein 0-Kennzeichen haben.

Mit dem Kennzeichen 0-1 ist der Bundespräsident unterwegs.
Quelle: IMAGO / teutopress

#11 Besondere 0-Kennzeichen

Es gibt noch ein paar ganz besondere Kennzeichen, die mit der 0 beginnen. Wenn man die sieht, weiß man: Hier ist gerade ganz hoher Besuch vor Ort! Das Kennzeichen „0-1“ nutzt der amtierende Bundespräsident, die „0-2“ ist für den Bundeskanzler reserviert und auch der Außenminister bekommt mit der „0-3“ ein leicht zu merkendes Kennzeichen.

Lesetipp: Das sind die teuersten Kennzeichen der Welt.

Die Kennzeichen der Landesregierung sind besonders
Quelle: IMAGO / Becker&Bredel

#12 Kennzeichen der Landesregierung

Ein weitere Besonderheit unter den Kennzeichen stellen die Nummernschilder der Landesregierung dar. Wie wir an diesem Beispiel schön sehen, steht dort an erster Stelle kein Buchstabenkürzel für einen Ort oder einen Landkreis im jeweiligen Bundesland, sondern schlicht die Buchstabenkürzel des Bundeslandes selbst, um zu signalisieren, dass es ein Fahrzeug der Landesregierung ist.

Alle Fahrzeuge der Bundeswehr haben ein Y-Kennzeichen.
Quelle: IMAGO / photothek

#13 Y-Kennzeichen

Ein besonderes Kennzeichen, das sicherlich alle kennen, darf nicht fehlen: Das Y. Mit dem Buchstaben sind alle Fahrzeuge der Bundeswehr markiert, egal, ob großer LKW, Panzer oder kleines Personenfahrzeug. Das besondere: Im Gegensatz zu allen anderen Kennzeichen sind die der Bundeswehr nicht reflektierend, um eventuelle Tarneinsätze nicht zu gefährden.

An dieser Stelle können wir auch mit einem alten Mythos aufräumen: Das Y steht nicht, wie oft geglaubt, für den letzten Buchstaben von Germany, sondern war lediglich noch als einziges Kürzel verfügbar, zusammen mit dem X. Die finale Entscheidung für das Y traf Brigadegeneral Kurt Vogel im Jahr 1955.

Auch Segways brauchen eine Kennzeichnung.
Quelle: IMAGO / Markus Heine

#14 Versicherungsschilder

Was bleibt noch? Klar, die so genannten zulassungsfreien Kleinfahrzeuge. Darunter fallen Mofas, Mopeds, E-Scooter, Krankenfahrzeuge oder auch Segways und Weiteres. Sie haben ein Versicherungsschild, das jedes Jahr im März erneuert werden muss. Das Jahr ist jeweils an der Schriftfarbe erkennbar.

Der Verlust eines Kennzeichens kann jedem passieren.
Quelle: IMAGO / teutopress

Ratgeber: Verlust des Kennzeichens – was tun?

Der Verlust eines Kennzeichens kann jedem passieren. Wenn ein Kennzeichen verloren geht oder gestohlen wird, ist es wichtig, sofort zu handeln. Zuerst sollte der Verlust bei der Polizei gemeldet werden, um Missbrauch zu verhindern. Danach muss ein Ersatzkennzeichen bei der Zulassungsstelle beantragt werden. Dabei wird ein neuer Satz Kennzeichen ausgegeben, und das alte Kennzeichen wird gesperrt. Dies stellt sicher, dass das verlorene Kennzeichen nicht unrechtmäßig verwendet werden kann. Ein wichtiger Tipp: Sichere das Kennzeichen immer gut am Fahrzeug, um Verlust oder Diebstahl zu vermeiden.

Sonderkennzeichen bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten für spezifische Anwendungen.
Quelle: IMAGO / Action Pictures

Sonderkennzeichen: Flexibilität und Spezialfälle

Sonderkennzeichen bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten für spezifische Anwendungen. Dazu gehören unter anderem Kurzzeitkennzeichen für Überführungsfahrten und Prüfungen, sowie Wechselkennzeichen für Personen mit mehreren Fahrzeugen derselben Klasse. Diplomatenkennzeichen und Behördenkennzeichen sind spezielle Fälle, die für bestimmte Gruppen reserviert sind und besondere Rechte und Pflichten mit sich bringen. Auch das Ausfuhrkennzeichen ist ein Sonderfall, der für Fahrzeuge gedacht ist, die ins Ausland exportiert werden sollen.

Durch die Vielfalt an Kennzeichenoptionen kann jeder Fahrzeughalter das passende Kennzeichen für seinen individuellen Bedarf finden. Es lohnt sich, die spezifischen Regelungen und Vorteile der verschiedenen Kennzeichentypen zu kennen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Quiz: Kannst du alle Städte anhand ihrer Kfz-Kennzeichen erraten?

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